Österreich und die Schweiz

Über Jahrzehnte prägte das Duell Österreich gegen die Schweiz den Alpinen Skiweltcup. Nach einer längeren Phase schweizerischer Dominanz möchte der ÖSV heuer den Anschluss im Nationencup schaffen. 

Mit seinen großen Erfolgen trug Marco Odermatt in den letzten Jahren maßgeblich zu den Schweizer Siegen im Nationencup bei. (Foto: Gepa Pictures)

"Ich finde diese Länderkämpfe zwischen Österreich und der Schweiz ganz wunderbar; sie gehören unbedingt dazu. Oft entstehen aus Rivalitäten die besten Freundschaften." Das waren die Worte Bernhard Russis vor einigen Jahren in einem Gespräch anlässlich einer Ausstellung in seinem Heimatort  Andermatt  zum 50-jährigen Jubiläum seines Olympiasiegs in Sapporo. Waren die frühen Jahre des 1966/67 eingeführten Skiwelcups noch von Österreich und Frankreich dominiert, prägten legendäre Duelle der beiden selbsterklärten Alpinnationen Österreich und Schweiz die 1970er Jahre . Die Konkurrenz zwischen Franz Klammer und Bernhard Russi ist sogar in einem Spielfilm verewigt worden.

In den späten 1980er Jahren dominierte die Schweiz den alpinen Skiweltcup, woran sich der Autor gut erinnern kann, der in Kindertagen häufig und emotional die österreichischen Niederlagen beklagen musste. Das zeigt auch der Blick in die Statistik: Ab der Saison 1982/83 ging der Nationencup sieben Mal in Folge an die Schweiz. Eine Trendwende erfolgte in der Saison 1989/90, in der der ÖSV diese Wertung gewinnen konnte. Peter Schröcksnadel, ab 1990 ÖSV-Präsident, legte stets besonderen Wert darauf, dass sich Österreich als "Skination Nummer 1" bezeichnen konnte. Seine mehr als 30 Jahre dauernde Amtszeit war tatsächlich von großen Erfolgen geprägt, die mit Namen wie Hermann Maier, Stefan Eberharter, Michaela Dorfmeister, Alexandra Meissnitzer, Renate Götschl, Marcel Hirscher, Anna Veith und vielen anderen verbunden sind. Die österreichische Dominanz konnte – was den Nationencup betrifft – erst am Ende der Amtszeit Schröcksnadels in der Saison 2019/20 von der Schweiz durchbrochen werden. In den folgenden beiden Jahren blieb das Rennen eng, ganz im Sinne des klassischen Länderduells. Einem weiteren Sieg der Schweiz folgte einer durch Österreich. 2022/23 siegte die Schweiz mit einem beachtlichen Abstand von mehr als 2.500 Punkten. Die Tendenz setzte sich in den folgenden Jahren fort. 

Am Beginn der nun startenden Saison hat der ÖSV gewissermaßen eine Neuauflage des Länderduells ausgerufen. Zur Schweiz klaffte in der vergangenen Saison eine Lücke von mehr als 700 Punkten. Bei den Olympischen Winterspielen gewannen die Athletinnen und Athleten von Swiss Ski mehr als doppelt so viele Medaillen wie ihre Konkurrenz aus Österreich. Allerdings wird auch in der NZZ eine Lücke beklagt – jene, die Lara Gut-Behrami in den letzten Jahren ausgefüllt hat. Eine erste Bestandsaufnahme werden die Rennen am Samstag und Sonntag liefern. 

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